Gemeindezentrum Bredenbruch
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Schwarze Kutten und stehende Ovationen Moskauer Männerchor überzeugt mit stimmgewaltigen Gesängen das Publikum in der Ihmerter Kirche © Text und Foto: Hendrik Schulze Zumhülsen, IKZ Hemer vom 23.12.2019 Ihmert Es ist still in der Ihmerter Kirche, als acht schwarze Gestalten vor dem Altar Haltung annehmen. Mit ihren dunklen Mönchskutten heben sich die Sänger des Moskauer Männerchores des Heiligen Wladimir fast wie Schatten von der farbprächtigen Wandmalerei im Hintergrund ab. Ihr stimmgewaltiger Auftritt sorgte am Freitagabend nicht nur für ehrfürchtige Momente, sondern auch letztlich für stehende Ovationen aus den gut gefüllten Kirchenbänken. „Vielleicht   besser   jetzt   beginnen“,   leitet   Dirigent   Nikolaj   Boglewskij   etwas   trocken   und   mit   russischem   Akzent   in   das   Konzert   seiner acht   Glaubensbrüder   ein.   Er   ist   der   neunte   im   Bunde,   dirigiert   den   Chor   und   moderiert   durch   den Abend.   Fast   vor   jedem   Lied   hält   er zur   Tonfindung   eine   Stimmgabel   an   sein   Ohr   und   schwingt   dann   imposant   seine   Arme   im   Takt.   Gleich   beim   ersten   Lied   spürt   man gleichzeitig die Anspannung und Professionalität, die die Sänger in ihre Performance einbringen. Tenorstimmen überlagern sich mit Bariton und Bass Kerzengerade stehen sie vor dem Altar, halten sich fast an ihren Liedermappen fest und verformen ihre Münder und Nüstern zu Instrumenten. Was sie damit hervorbringen, lässt sich eindeutig sehen. Hohe Tenorstimmen vermischen und überlagern sich mit tiefen Bariton- und Bassgesängen, so dass eine beeindruckende Stimmgewalt durch die Kirche hallt. Dabei erinnert die Kraft der Gesänge fast an Naturgewalten – leichte Brisen, die sich in aufbrausende Stürme verwandeln und sich ganz sanft und beruhigend wieder finden. Die Anstrengung ist den Sängern anzumerken, aus den Mundwinkeln holen sie die tiefen Atemzüge ein, die sie für ihre kirchlichen Liturgien und russisch-orthodoxen Gesänge benötigen. Wenn die Lieder zu Ende sind, sieht man die Männer entspannt ausatmen und sich den Schweiß von der Stirn wischen. In den Pausen erzählt Dirigent Nikolaj Boglewskij von seiner Heimat, aber auch von der deutschen Gastfreundschaft. Seit 26 Jahren reist der Chor drei Mal im Jahr nach Deutschland, um für das Moskauer Kinderkrankenhaus des Heiligen Wladimir zu sammeln. Auch von den Anfängen des Chores in der sowjetischen Zeit, der atheistischen Zeit, wie sie Nikolaj Boglewskij nennt, spricht der Chorleiter. „Da war nicht so viel mit Kirche. Die Gotteshäuser wurden zu Kulturbüros und Fabriken umgewandelt“. Aber auch witzige Anekdoten lockern das Konzert auf. Die Lieder erklingen auf russisch, slawisch, deutsch und in seltenen Fällen auf Latein. „Wenn ich mit den Pastoren spreche, wünschen sie sich immer ein Lied über Maria“, erklärt der Chorleiter. Also darf das „Ave Maria“ des Komponisten Franz Schubert mit starken Sopranstimmen nicht fehlen. Auf russisch singt der Chor unter anderen das „Lob des Herrn“ oder die „Cherubim-Hymne“. Mit „Leise rieselt der Schnee“ findet auch ein deutsches Weihnachtslied seinen Platz im Programm. Auch als Solisten treten die Sänger an manchen Liedstellen auf, die Einzel-Performances erinnern an Operngesang. Das Publikum antwortet mit anhaltendem Applaus, am Ende sogar mit stehenden Ovationen. Nikolaj Boglewskij reagiert wieder mit seiner trockenen Art: „Ja, wir haben alles verstanden“, sagt er ruhig und mit einem angedeuteten Lächeln. Pfarrerin Gaby Bach bedankt sich gerührt beim Moskauer Männerchor: „Es war uns eine Freude, sie in unserem Gotteshaus als Gast haben zu dürfen.“ Kontakt zu den Sängern kam über die Gemeinde Evingsen Der Kontakt zu den Sängern hat die Ihmerter Kirche über die Gemeinde in Evingsen geknüpft. Dort treten sie seit 2013 regelmäßig auf, obwohl der Chor vorher eher in Niedersachsen oder Thüringen unterwegs war. Die Russlanddeutsche Svetlana Schröder, die seit zehn Jahren mit ihrem Mann Hans-Jürgen in Evingsen lebt, kennt den Tenor der Gruppe, Michail Newsorow, von früher. Sie hat damals Führungen auf der russischen Insel Kischi abgehalten und auf diese Weise auch den Sänger kennengelernt. Da die Gemeinden Ihmert und Evingsen eine Freundschaft verbindet, hat das Ehepaar schließlich Gaby Bach gefragt, ob ein Auftritt des Chores gewünscht wäre.
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